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Mutters Courage

von George Tabori
Premiere am 06. September 2008 
Repertoire
  "KUNST"
  Am Hang
  Bandscheibenvorfall
  Das Produkt
  Der Kontrabaß
  Die Hände meiner Mutter
  Don Karlos - Infant von Spanien
  Draußen vor der Tür
  Glaube, Liebe, Hoffnung
  Holzers Peepshow
  Ich bin der Mann von Lolo
  Kaspar Häuser Meer
  Ladies Night (Ganz oder gar nicht)
  Love Letters
  Mutters Courage
  NippleJesus
  Salome
  Sinn
  Werther
  Wir sind die Sintflut


Inszenierung Harald Demmer

Ausstattung Marpa Schneider

Regieassistenz: Sabine Fringes

Mit Christiane Bruhn, Frank Voß

Eine Koproduktion von „GbR Mutters Courage“ und Theater im Bauturm
Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2008!

Mit Mutters Courage hat dergroße, im letzten Jahr verstorbene Autor, Schauspieler und Regisseur George Tabori eine Hommage an seine Mutter geschrieben.

Elsa Tabori und ihr Sohn George erinnern sich an den Tag im Jahr 1944, als Elsa Tabori auf dem Weg zu ihrer wöchentlichen Rommé-Runde verhaftet wurde und mit 4.000 jüdischen Häftlingen in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht werden sollte.
Ihr Sohn berichtet von ihrer Verhaftung an diesem Sommertag in Budapest, immer wieder in Einzelheiten von seiner Mutter korrigiert, als sie auf dem Weg zu ihrer Schwester war. Ihr jüdischer Mann, ein aktiver Marxist, wurde bereits verhaftet, die beiden Söhne sind ins Ausland geflohen.
An diesem Tag wird sie unvermutet auf ihrem Weg von zwei Polizisten angesprochen und von ihnen aufgefordert, mitzukommen…

Das Stück thematisiertdie institutionalisierte Gewalt des Nationalsozialismus. Tabori gelingt es, durch die Schilderung eines Tages im Leben seiner Mutter, die wesentlichen Züge und Mechanismen dieses Regimes zu verdeutlichen: Die Unberechenbarkeit, mit der die Befehlshaber vorgehen, wie sie ihre Opfer zwischen Angst und Hoffnung schwanken lassen, sie schließlich zu Nummern entpersonalisieren und an eine bürokratisch durchorganisierte Tötungs- und Vernichtungsmaschinerie weitergeben, als wäre nichts natürlicher und folgerichtiger als dieser Ablauf.

Indem Tabori ein ganz subjektives Bild von seiner Mutter zeichnet, einer ungewöhnlichen und eigentlich zurückhaltenden Frau, die dennoch gegen diesen Automatismus aufbegehrt, enthebt er den Schrecken und Terror des Nationalsozialismus seiner Anonymität, macht ihn am Schicksal dieser Frau nachvollziehbar und persönlich. Objektive Fakten verbinden sich mit Gefühlszuständen. So folgt auch dieses Stück einem Anliegen von Tabori, dem der Kultur der Erinnerung, die von Versinnlichung und Subjektivität geprägt ist.

Als Jude und Zeitzeuge hat Tabori die Möglichkeit und Freiheit, über den Nationalsozialismus anders zu reden und zu schreiben als die Nachkommen der Tätergeneration. Besonders ist auch der ihm eigene Witz, die “Heiterkeit der Verzweiflung“, die seine Geschichten und Erzählungen durchzieht.

Pressestimmen:
"Harald Demmer, der den Kölner Theaterpreis 2007 für „Der Kick" gewonnen hat, gelingt es auf bestechende Weise, den Geist von George Taboris Novelle spürbar zu machen, indem der Regisseur mit effektiven Mitteln immer wieder das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit thematisiert und den lebensbejahenden Humor des Autors wie ein gleichzeitig schützendes und schärfendes Glas vor die Verbrechen der Vergangenheit legt.
...
Fabelhaft eingesetzt sind die beiden großartigen Schauspieler: Wenn Frank Voß mühelos vom verschmitzten Erzähler in die Rollen des glotzäugigen, verrückten Nachbarn und des unberechenbaren SS-Offiziers wechselt, kommt Spannung auf.

Zutiefst berührend auch Christiane Bruhns Darstellung zwischen neckischen Seufzern und Ausbrüchen voller Verzweiflung. In diesem bewegenden wie komischen und vielschichtigen Mutter-Sohn-Dialog wird die persönliche Erinnerung zum lebendigen Mahnmal. Bravos und starker Premierenapplaus."
Kölner Stadt-Anzeiger 8.9.2008

"Elegant und mütterlich zugleich, nachsichtig auch, emotional involviert und doch auch immer eine Spur lakonisch spielt Christiane Bruhn bravourös die Elsa Tabori, was auch und vor allem die Gefühlszustände einer Überlebenden meint. Denn der gute Ausgang der Geschichte ist ja von Beginn an bekannt - eine Übung, das Vergangene ins Gedächtnis zu rufen.
Dabei ist die beschreibende Erinnerung niemals deckungsgleich mit der historischen Realität. Die Erinnerungsarbeit von Mutter und Sohn wird von Harald Demmer temporeich und ohne Betroffenheitsrhetorik inszeniert. Mit einem Gefühl für Pointen führt er seine beiden hervorragenden Schauspieler durch die aberwitzigen Situationen. Frank Voß zeigt einen burschikosen, gleichwohl verträumten Schriftsteller,der Wert auf gelungene Formulierungen legt.
Im Lauf der Erzählung verwandelt er sich in den SS-Offizier, der Elsa Tabori vor Auschwitz bewahrt - Voß trifft den Tonfall des kultivierten Massenmörders ohne vergessen zu machen, dass er spielt. Eine mehr als gelungene Balance zwischen Verfremdung und Identifikation. Stehende Ovationen am Premierenabend für eine ausnehmend überzeugende Produktion. “
Kölnische Rundschau

Spieldauer: 1 Stunde 30 Minuten 
Termine: 18.-19.12.

Aus unserem Gästebuch im Theaterfoyer:
Herzlichen Dank für die kostbare Zeit mit Ihnen!
Sabine & Marcusam 15.05.2010 weiterlesen


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