Inszenierung Harald Demmer
Ausstattung Marpa Schneider
Regieassistenz: Sabine Fringes
Mit Christiane Bruhn, Frank Voß
Eine Koproduktion von „GbR Mutters Courage“ und Theater im Bauturm
Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2008!
Mit Mutters Courage hat dergroße, im letzten Jahr
verstorbene Autor, Schauspieler und Regisseur George Tabori eine
Hommage an seine Mutter geschrieben.
Elsa
Tabori und ihr Sohn George erinnern sich an den Tag im Jahr 1944, als
Elsa Tabori auf dem Weg zu ihrer wöchentlichen Rommé-Runde
verhaftet wurde und mit 4.000 jüdischen Häftlingen in das
Konzentrationslager Auschwitz gebracht werden sollte.
Ihr Sohn
berichtet von ihrer Verhaftung an diesem Sommertag in Budapest, immer
wieder in Einzelheiten von seiner Mutter korrigiert, als sie auf dem
Weg zu ihrer Schwester war. Ihr jüdischer Mann, ein aktiver
Marxist, wurde bereits verhaftet, die beiden Söhne sind ins
Ausland geflohen.
An diesem Tag wird sie unvermutet auf ihrem Weg
von zwei Polizisten angesprochen und von ihnen aufgefordert,
mitzukommen…
Das Stück thematisiertdie institutionalisierte Gewalt des
Nationalsozialismus. Tabori gelingt es, durch die Schilderung eines
Tages im Leben seiner Mutter, die wesentlichen Züge und
Mechanismen dieses Regimes zu verdeutlichen: Die Unberechenbarkeit,
mit der die Befehlshaber vorgehen, wie sie ihre Opfer zwischen Angst
und Hoffnung schwanken lassen, sie schließlich zu Nummern
entpersonalisieren und an eine bürokratisch durchorganisierte
Tötungs- und Vernichtungsmaschinerie weitergeben, als wäre
nichts natürlicher und folgerichtiger als dieser Ablauf.
Indem Tabori ein ganz subjektives Bild von seiner Mutter zeichnet, einer
ungewöhnlichen und eigentlich zurückhaltenden Frau, die
dennoch gegen diesen Automatismus aufbegehrt, enthebt er den
Schrecken und Terror des Nationalsozialismus seiner Anonymität,
macht ihn am Schicksal dieser Frau nachvollziehbar und persönlich.
Objektive Fakten verbinden sich mit Gefühlszuständen. So
folgt auch dieses Stück einem Anliegen von Tabori, dem der
Kultur der Erinnerung, die von Versinnlichung und Subjektivität
geprägt ist.
Als Jude und Zeitzeuge hat Tabori die Möglichkeit und Freiheit, über den Nationalsozialismus anders zu reden und zu schreiben als die Nachkommen der Tätergeneration. Besonders ist auch der ihm eigene Witz, die “Heiterkeit der Verzweiflung“, die seine Geschichten und Erzählungen durchzieht.
Pressestimmen:
"Harald Demmer, der den Kölner Theaterpreis 2007 für „Der Kick" gewonnen hat, gelingt es auf bestechende Weise, den Geist von George Taboris Novelle spürbar zu machen, indem der Regisseur mit effektiven Mitteln immer wieder das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit thematisiert und den lebensbejahenden Humor des Autors wie ein gleichzeitig schützendes und schärfendes Glas vor die Verbrechen der Vergangenheit legt.
...
Fabelhaft eingesetzt sind die beiden großartigen Schauspieler: Wenn Frank Voß mühelos vom verschmitzten Erzähler in die Rollen des glotzäugigen, verrückten Nachbarn und des unberechenbaren SS-Offiziers
wechselt, kommt Spannung auf.
Zutiefst berührend auch Christiane Bruhns Darstellung zwischen
neckischen Seufzern und Ausbrüchen voller Verzweiflung. In diesem
bewegenden wie komischen und vielschichtigen Mutter-Sohn-Dialog wird
die persönliche Erinnerung zum lebendigen Mahnmal. Bravos und starker
Premierenapplaus."
Kölner Stadt-Anzeiger 8.9.2008
"Elegant und mütterlich zugleich, nachsichtig auch, emotional
involviert und doch auch immer eine Spur lakonisch spielt Christiane Bruhn bravourös die Elsa Tabori, was auch und vor allem die Gefühlszustände einer Überlebenden meint. Denn der gute Ausgang der Geschichte ist ja von Beginn an bekannt - eine Übung, das Vergangene ins Gedächtnis zu rufen.
Dabei ist die beschreibende Erinnerung niemals deckungsgleich mit der historischen Realität. Die Erinnerungsarbeit von Mutter und Sohn wird von Harald Demmer temporeich und ohne Betroffenheitsrhetorik inszeniert. Mit einem Gefühl für Pointen führt er seine beiden hervorragenden Schauspieler durch die aberwitzigen Situationen. Frank Voß zeigt einen burschikosen, gleichwohl verträumten Schriftsteller,der Wert auf gelungene Formulierungen legt.
Im Lauf der Erzählung verwandelt er sich in den SS-Offizier, der Elsa
Tabori vor Auschwitz bewahrt - Voß trifft den Tonfall des kultivierten
Massenmörders ohne vergessen zu machen, dass er spielt. Eine mehr als
gelungene Balance zwischen Verfremdung und Identifikation. Stehende
Ovationen am Premierenabend für eine ausnehmend überzeugende
Produktion. “
Kölnische Rundschau
Spieldauer:
1 Stunde 30 Minuten
Termine: 18.-19.12.
Aus unserem Gästebuch im Theaterfoyer:
Herzlichen Dank für die kostbare Zeit mit Ihnen!
Sabine & Marcusam 15.05.2010
Das Stück ist Weltklasse und die Schauspielkunst faszinierend!
Liane am 15.05.2010
Ein grandioses Spiel der beiden Schauspieler!
am 01.04.2010
Geht total unter die Haut! Danke!
am 12.03.2010
Wir sind von Mettmann hier her in dieses wunderbare Theater – heute mit einer grandiosen Vorstellung – gekommen und sind tief beeindruckt von den Schauspielern und der Umsetzung des Tabori-Textes. Gänsehaut, liebenswürdige Beziehung – das alles nehmen wir mit nach Hause.
Kulturgemeinde Mettmann am 11.03.2010
Sensationelle Vorstellung
Peter am 01.02.2010
Tolle Inszenierung! Tolle Schauspieler! Großes Theater auf kleiner Bühne! Danke.
Cihant Daniel am 03.01.2010
Ich bin sprachlos! Das Stück ist super Authentisch.
am 13.12.2009
Ich habe noch nie ein Stück gesehen, welches so wenig ein Stück war und so sehr eine Lebensgeschichte.
F. Kerbrugge am 13.12.2009
Genial , wirklich! Besser kann man das nicht machen! Alles andere wäre meine Spekulation!
Giuseppe Konlino am 13.12.2009
Als (mittlerweile) unregelmäßige Theatergängerin bin ich immer wieder beeindruckt von der Leistung eines Bühnendarstellers: Die Rolle auszufüllen, die Laufwege, die Texte, durch die eigene Präsenz die Zuschauer in den Bann zu ziehen – das haben die beiden sehr gut gemacht.
D. H. am 01.03.2009
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